Horst P. Horst

Eine kurze Geschichte der Modefotografie - 4. Teil

Hoyningen-Huene – Sie erinnern sich, der echte Baron – hatte der Modefotografie in der Zwischenkriegszeit ein zeitgemäßes Gesicht gegeben. Sein Partner und Zögling Horst Bohrmann aus Weißenfels bei Leipzig wird Ihn nach seinem Weggang bei der Pariser Vogue beerben und als Horst P Horst die Modefotografie länger als ein halbes Jahrhundert entscheidend prägen.

Damals war noch mehr Lametta: Horst P. Horst mit Lisa Fonssagrives, 1949. Foto: Roy Stevens / Time & Life Pictures

Dabei zog es Horst P Horst ursprünglich zu Architektur und Innendesign, nach verschiedenen Stationen in Deutschland setzte er seine Studien in Paris ab 1930 bei Le Corbusier fort. Dort lernte auch Hoyningen-Huene kennen, die beiden werden ein auch nach Ende ihrer Beziehung offenbar tiefverbundenes Paar, ein Artdirektor der Vogue bringt ihn eher zufällig zur Fotografie und sorgt für eine zumindest rudimentäre Ausbildung. Nach ersten Erfolgen in Europa scheitert er jedoch zunächst in den Vereinigten Staaten, Condé Nast feuert ihn nach Durchsicht der in den USA erstellten Fotografien mit den Worten“ ihrer Zeit hier ist vorbei“.

Die Vogue in Frankreich fängt den nach Europa zurückgekehrten Horst wieder auf, die sich verschärfende politische Lage auf dem alten Kontinent bewegen sowohl ihn als auch Hoyningen-Huene Ende der Dreißigerjahre endgültig in die vereinigten Staaten über zu siedeln. Unmittelbar vor seiner Abreise aus Europa fotografiert Horst eines seiner bekanntesten Motive, eine aus mehreren Gründen zeitlose Rückeneinsicht eines Modells in einem Mainbocher Korsett.

Horst P. Horst, Mainbocher Corset, 1939 - The Horst Estate / Condé Nast.

Das Mainbocher-Korsett zeigt sein Model mit dem Rücken zur Kamera und enthüllt die Details der kunstvoll geschnürten Bänder und des seidenen Stoffes des Korsetts. Horsts charakteristische Beleuchtungstechnik, die auf tiefe Schatten und ausgeprägte Highlights setzt, betont die fein muskulöse Form des Modells und versetzt sie von der Rolle einer durch und durch modernen Frau in die einer lebenden „klassischen“ Skulptur. In diesem sinnlichen Bild ist das Model in sich geschlossen, ihr Blick ist vom Betrachter abgewandt, und die teilweise geschnürten Bänder ihres Korsetts fließen in verschlungenen Strängen über den Rand der Balustrade. Horst bemerkte einmal: „Meine besten Bilder haben immer ein bisschen Chaos“. Auf diesem Foto ist sein kunstvolles „Durcheinander“ der perfekte Kontrapunkt zur scheinbaren Perfektion von Modell und Kleidungsstück.

Die dem von Horst präferiertem Dauerlicht und Aufnahmeformat geschuldete gewisse Statik seiner Fotografien in Verbindung mit dem für den heutigen Betrachter oft aus der Zeit gefallenem Styling lassen die klassische Modefotografie oft unzeitgemäß wirken. Werke wie eben diese Fotografie eines Korsetts aus dem Jahre 1939 – mit einem grundsätzlich zeitlosen Korsett und einem nicht zuzuordnenden Styling – beweisen jedoch das Gegenteil. Der besondere Reiz und die außergewöhnliche Perfektion dieser Fotografien erschließen sich auch für den auf einen bestimmten „Look“ getrimmten heutigem Betrachter immer dann am einfachsten, wenn die der Zeit geschuldeten Faktoren zurücktreten. 

Darüber hinaus wurde dieses besondere Bild von der amerikanischen Sängerin Madonna für Ihr Musikvideo „Vogue“ kopiert, was wiederum – und auch das spricht für die Güte von Horsts Fotografie – in der Folge dafür sorgte das jenes Foto aus 1939 oft als Rückenansicht von Madonna missinterpretiert wurde.

Unmittelbar nach Abschluss dieses Fotoshootings verlies Horst sein Pariser Studio, kehrte nach Hause zurück, um seine Koffer zu packen, und reiste sofort nach Le Havre ab, um ein Schiff nach New York zu besteigen. In Amerika angekommen, versuchte er, sich als Modefotograf neu zu etablieren, doch erst in der Nachkriegszeit konnte Horst als in der amerikanischen Vogue – Condé Nast war 1942 verstorben - wieder an der Spitze der Modefotografie arbeiten. Und daran würde sich bis spät in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nichts ändern, Horst war in Portrait und Mode, Farbe und Schwarzweiß eine ebenso charmante wie sichere Entscheidung für exzellente Fotografie. Heute wird er gern als „Meister des Stils“ bezeichnet, was – wie ich finde – seinem Werk nicht gerecht wird. Mehr als das war er ein Meister des surrealen, der besonderen Kontraste in Bild und Komposition, und ich kann seine Bücher nur empfehlen, insbesondere da ich ihn heute wie so viele vor mir auf im Wesentlichen ein einziges Bild reduziert habe. Alles andere hätte jedoch den Rahmen dieser kurzen Präsentation gesprengt.

Dennoch freue ich mich sie hier – am Ende des Textes – Begrüßen zu können und möchte mich ganz ausdrücklich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken. Schreiben Sie mir ein Email, wenn es Fragen gibt, oder Sie Fehler gefunden haben.

Kurze Geschichte der Modefotografie

Was bisher geschah:
Die beiden Barone
Revolution am Strand
Clifford Coffin

Aus meinem Bücherschrank:


Horst P Horst - https://amzn.to/3i9asaa


Wer Amazon oder Partnerlinks nicht mag, empfohlener Fotobuchshop: https://www.artbooksonline.eu/

 
Zurück
Zurück

Mode will Farbe

Weiter
Weiter

Eine Farbe die es nicht gibt