Eine Farbe die es nicht gibt

Überraschendes aus der Farblehre.

Mit der Digital-Fotografie ist das so eine Sache - die Summe ihrer Farben ist stets das helle Licht, manche ihrer Farben jedoch gibt es nicht.

Eine beinahe poetische Einleitung in eine – hoffentlich ebenso kurze wie kurzweilige – Abhandlung über die beiden Merkwürdigkeiten der Farbe Braun, einer Farbe die – und da werden Sie mir am Ende dieses Texte gewiss zustimmen – wenn überhaupt, dann nur im Kontext existiert.

Einfacher 6-farbiger Farbkreis.

Zur Klärung zunächst etwas Farblehre. Der heute übliche einfache Farbkreis besteht aus 6 Farben, genauer den jeweiligen Grundfarben des Additiven wie auch des Subtraktiven Farbsystems. Das klingt eindrucksvoller – oder komplizierter – als es ist: Die Lichtfarben Rot, Grün und Blau ergeben „addiert“ reines Weiß, die Körperfarben Cyan, Magenta und Gelb werden hingegen auf – üblicherweise – Weißes Papier aufgetragen und ergeben – theoretisch – in ihrer Summe Schwarz (tatsächlich ist ein nur auf CMY basierendes Druckbild eher flau, daher braucht es mehr Kontrast, und dies erklärt das K in CMYK).

In der Postproduktion der Fotografie bedeutet darüber hinaus weniger rot automatisch mehr Cyan, weniger Grün mehr Magenta und ein Verzicht auf Blaue Anteile sorgt für mehr Gelb im Bild. Der einfache Farbkreis mit diesen 6 Farben wird üblicherweise um die verschiedenen Mischfarben der jeweils nebeneinander liegenden Farben erweitert, dies liefert dann beispielsweise Orange, Violett oder meinetwegen auch Türkis (eine Farbe, die sich heute noch mitunter in vielen nicht renovierten Bädern findet). Dabei ist es völlig gleichgültig wie fein diese Mischfarben heruntergebrochen werden, eine Farbe findet sich mit Sicherheit nicht: Braun.  Ebenso wenig findet sich eine braune Glühbirne, noch – aus Klimaschutzgründen – ein braunes Leuchtmittel.

Braun? Rostrot?
Oder ein besonders dunkles Orange?

Als Farbe geringer Intensität ist Braun tatsächlich eine Tertiärfarbe: Eine Mischung der drei subtraktiven Grundfarben ist braun, wenn der Cyan-Anteil gering ist. Im additiven RGB-Farbmodell wird Braun durch Mischen von rotem und grünem Licht erreicht. Braun existiert als Farbwahrnehmung jedoch stets nur bei einem helleren Farbkontrast. Gelbe, orangefarbene, rote oder rosafarbene Objekte werden auch bei geringer Allgemeinbeleuchtung als solche wahrgenommen, obwohl sie die gleiche Menge an rotem oder orangefarbenem Licht reflektieren wie ein braunes Objekt bei normalen Lichtverhältnissen. Ein beliebiger Braunton auf schwarzem Hintergrund, dargestellt auf einem in einem abgedunkelten Raum aufgestellten Monitor wird unbedingt als Orange interpretiert, die exakt gleiche Farbe auf weißem Hintergrund wird hingegen als Braun wahrgenommen.

Braun ist also nur ein dunkles Orange, und es manifestiert sich überhaupt nur dann, wenn es auf hellere Farben in seiner Umgebung als Kontext zurückgreifen kann. Ich empfinde das als faszinierend, vor allem da der Ursprung der Farbe braun im althochdeutschem mit einiger Sicherheit und auch ohne etymologische Fachkenntnisse älter als der von Orange ist, denn letztere ist nur der Name eines aus China importierten Apfels.

 

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